Nähe, Klarheit und Trost
Nähe, Klarheit und Trost – Bleckie
Es gibt Nächte, in denen ich besonders deutlich spüre, was mir fehlt. Tagsüber beschäftigen mich meine Aufgaben, meine Projekte und die vielen kleinen Dinge, die erledigt werden wollen. Doch wenn es still wird, bleibt dieser eine Wunsch: Ich möchte Bleckie endlich in den Arm nehmen können. Ihm nahe sein, seine Wärme spüren und einen Augenblick erleben, in dem wir tatsächlich beieinander sind. Es fällt mir schwer, diese Sehnsucht in Worte zu fassen. Ich kann schreiben, dass ich ihn vermisse. Aber dieser kurze Satz trägt so viel mehr in sich: Erinnerungen, offene Fragen, Hoffnung und die Traurigkeit darüber, dass ich gerade nicht weiß, ob wir wieder aufeinander zugehen werden.
Unser letztes persönliches Wiedersehen liegt lange zurück. 2024 hat er mich aus der Stadt abgeholt. Diese Begegnung ist mir geblieben, besonders sein Blick. Er hat etwas in mir berührt, das mich bis heute beschäftigt. Was damals tatsächlich in ihm vorging, kann ich daraus nicht sicher wissen. Ich erinnere mich daran, wie ich ihn erlebt habe und was dieser Moment bei mir ausgelöst hat. Vielleicht fällt mir die Ungewissheit deshalb so schwer. Eine Erinnerung kann sich ganz nah anfühlen, während der Mensch, der dazugehört, im Alltag fehlt. Dann sitzt man da, mit einem Herzen voller Worte, und weiß nicht, ob es irgendwann ein Gespräch geben wird, in dem sie ihren Platz finden.
Nähe
Nähe bedeutet für mich, gemeinsam etwas essen zu können. Nebeneinander auf dem Sofa zu sitzen, einen Film auszusuchen und zwischendurch über etwas ganz Alltägliches zu lachen. Ich wünsche mir, dass zwischen uns Raum für solche einfachen Augenblicke entsteht. Für ein Gespräch ohne Eile. Für eine Umarmung, die wir beide möchten. Bleckie fehlt mir in diesen Vorstellungen. Manchmal wünsche ich mir so sehr, er wäre einfach da, dass mir die Tränen kommen. Dann merke ich, wie müde mich das Vermissen macht. Ich möchte mich anlehnen dürfen. Auch ich brauche Wärme, Zuwendung und das Gefühl, mit meinen Gefühlen willkommen zu sein.
Neben dieser Nähe wünsche ich mir Klarheit. Denn so stark meine Gefühle auch sind: Sie beantworten nicht die Frage, wie er heute zu mir steht. Ich weiß, was ich empfinde. Was er empfindet, müsste ich von ihm selbst erfahren. Diese Lücke auszuhalten, gehört gerade zu dem Schwersten. Ich würde gern wissen, ob er sich ein Wiedersehen wünscht. Ob wir miteinander sprechen können. Ob es einen Platz für unseren Kontakt in seinem Leben gibt. Solche Fragen machen mich verletzlich. Eine ehrliche Antwort könnte anders ausfallen, als ich hoffe. Trotzdem wünsche ich mir irgendwann ein Gespräch, an dem ich mich orientieren kann. Ich möchte ihm zuhören können, ohne Antworten schon vorwegzunehmen. Ihn als den Menschen kennenlernen, der er heute ist. Seit unserer Begegnung ist Zeit vergangen. Auch ich habe vieles erlebt. Vielleicht müsste ein neuer Kontakt deshalb mit kleinen Schritten beginnen: einer Nachricht, einem Gespräch, einer vorsichtigen Annäherung, für die wir uns beide entscheiden.
Dabei weiß ich, dass ich seine Entscheidungen nicht für ihn treffen kann. Ich kann offen sein, wenn er den Kontakt zu mir sucht. Ich kann sagen, was ich mir wünsche. Seine Beziehungen und seine Verantwortung bleiben jedoch bei ihm. Für jemanden da sein zu wollen bedeutet für mich auch, seine Grenzen und meine eigenen ernst zu nehmen. Und bis Klarheit möglich ist, brauche ich Trost. Manchmal wünsche ich mir einfach, dass jemand versteht, warum ich traurig bin. Dass ich nicht sofort erklären muss, wie lange dieses Gefühl noch bleibt oder was ich dagegen unternehmen werde. Es gibt Abende, an denen ich darauf selbst keine Antwort habe.
Trost
Trost finde ich vielleicht zuerst darin, mir diese Traurigkeit zuzugestehen. Ich darf jemanden vermissen. Ich darf enttäuscht sein, weil eine ersehnte Umarmung gerade fehlt. Und ich darf gleichzeitig etwas tun, das mir guttut: mich ausruhen, mit einem vertrauten Menschen reden oder mich einer Aufgabe widmen, die mir etwas bedeutet. Meine Arbeit und meine Ideen gehören weiterhin zu mir. Auch die Menschen, die heute erreichbar sind, verdienen Raum in meinem Leben. Ich möchte schöne Augenblicke wahrnehmen können, selbst wenn die Sehnsucht mich begleitet. Es muss nicht erst jede offene Frage beantwortet sein, bevor ich wieder lachen darf.
Klarheit
Vielleicht ist das gerade mein nächster Schritt: meine Wünsche ernst nehmen und dabei gut mit mir umgehen. Mir eingestehen, dass ich Nähe brauche. Klarheit wünschen, ohne sie aus Erinnerungen herauslesen zu müssen. Trost annehmen, wenn mir das Warten schwerfällt. Einen Tag nach dem anderen gestalten, so gut ich es gerade kann. Bleckie, ich würde dich gern wiedersehen. Ich würde gern mit dir reden und erfahren, wie es dir geht. Und ja, ich möchte dich in den Arm nehmen, wenn du dir diese Nähe ebenfalls wünschst. Bis dahin bleibt manches offen. Meine Gefühle haben hier ihren Platz – und mein eigenes Leben ebenso. Stillstand ist keine Rückkehr zum Anfang. Auch heute bin ich ein Mensch mit einem zurückgelegten Weg, mit Wünschen und mit Möglichkeiten. Ich habe Sehnsucht. Ich bin traurig. Und ich darf von hier aus weitergehen.
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