Gestreifte Plüschtigerkatze auf dem Armaturenbrett vor einer Straße mit Wegweisern nach Hamburg, Celle und Flensburg

Tigerkatze Begegnung: Lisa und Sit

Tigerkatze – eine kleine Begleiterin, die uns auf ewig verbindet ❤️🐯

Manchmal beginnt eine große Geschichte mit einem einzigen Blick. So war es auch mit Tigerkatze. Ich war damals im REAL-Markt in Celle unterwegs und sah sie. Ihr Blick sagte für mich nur eines: „Nimm mich mit.“ Ich musste nicht lange überlegen. Ich nahm sie sofort mit. Da ich zu Fuß unterwegs war, hielt ich Tigerkatze den ganzen Weg nach Hause in meiner Hand. Dort bekam sie einen ziemlich ungewöhnlichen ersten Platz: Ich setzte sie in eine Obstschale voller Marshmallows. Das hatte einen Grund. Sit ist ein halber Amerikaner, und die Marshmallows waren für mich eine kleine, liebevolle Verbindung zu ihm. Am 4. November 2000, an seinem Geburtstag, bekam Sit Tigerkatze von mir geschenkt. Er freute sich riesig. Und praktisch vom ersten Moment an wurde klar, dass Tigerkatze nicht irgendwo in einer Ecke verschwinden würde. Als wir mit dem Auto Richtung Flensburg fuhren, bekam sie ihren Platz auf dem Armaturenbrett. Dieser Platz wurde ihr Stammplatz.

Tigerkatze fuhr von nun an vorne mit. Sie sollte auf Sit und auf das Auto aufpassen. Natürlich mit einem Augenzwinkern – und doch hatte dieser Gedanke für uns eine besondere Bedeutung. Sit kommunizierte auf seine ganz eigene Art dauerhaft mit ihr. Ich merkte es daran, dass er beim Reden manchmal nicht mich ansah, sondern Tigerkatze. Und sein Lächeln verriet den Rest. Auf unserer Fahrt fragte Sit mich irgendwann: „Weißt du, wo wir sind?“ Ich antwortete ihm, dass wir, wenn er so weiterfahren würde, irgendwann in Flensburg landen würden. Dabei erzählte ich ihm auch vom Homeoffice meiner Schwester. Sit fuhr schließlich ab, und plötzlich waren wir mitten in Hamburg. Dort kamen wir an einem Ort vorbei, den ich mit meinem ehemaligen Lebensgefährten Thomas, genannt Arakasi, verband. Sit wusste, wer Thomas für mich gewesen war, denn ich hatte ihm von ihm erzählt. Großartig aufgeladen war dieser Moment nicht. Sit blieb relativ entspannt und suchte vor allem die passende Autobahnausfahrt für unsere Rückfahrt. Danach ging es wieder zurück nach Celle.

Tigerkatze blieb bei Sit. Und sie blieb auf dem Armaturenbrett. Sie wurde zu einer Begleiterin seiner Autofahrten und nach meiner Erinnerung sogar bei besonderen Fahrten mitgenommen. Dazu gehört auch eine Geschichte rund um den Nürburgring und ein rotes Rallye-Auto. Manche Einzelheiten dieser Erinnerung sind für mich bis heute nicht vollständig bestätigt. Deshalb möchte ich hier bewusst zwischen dem unterscheiden, was ich sicher weiß, was ich gefühlt habe und was für mich damals ein Zeichen war. Ich muss nicht jede offene Frage erzwingen. Ich erwarte nichts und bin dankbar für alles, was ich in Frieden bekomme. Denn Tigerkatze bedeutet für mich ohnehin viel mehr als einzelne Daten oder Beweise.

Sie wird Sit und mich auf ewig verbinden.

Wenn ich darüber nachdenke, was sie für mich trägt, steht ein Wort ganz weit vorne: Sicherheit. Aber da ist noch sehr viel mehr. Eine Erinnerung bringt dieses Gefühl besonders deutlich zurück. Sit und ich liefen damals gemeinsam durch die Stadt. Wir machten nichts Spektakuläres. Wir liefen einfach und redeten. Ich erzählte ihm von mir und vor allem von meinem Onkel. Ich berichtete Sit davon, was für ein toller Mensch mein Onkel gewesen war und welche Stärke er besaß – eine Stärke, die besonders wichtig wird, wenn das Leben wieder turbulenter wird. Sit hörte mir zu und sagte irgendwann: „Muss ein toller Mensch gewesen sein.“ Dieser Satz löste etwas in mir aus, das für mich damals nicht selbstverständlich war: Sicherheit, Wärme und Geborgenheit. Sit nahm mich in den Arm. Nicht nur für einen kurzen Augenblick. Es war ein längerer Halt. Gleichzeitig sagte ich mir innerlich: „Nicht fallen.“ Ich ließ das Gefühl nicht vollständig zu. Nähe ja – aber nicht bis zu dem Punkt, an dem ich sämtliche Kontrolle aufgegeben hätte. Ich glaube, Sit bemerkte das. Und er drängte nicht. Wir gingen einfach weiter. Genau dieses Nicht-Drängen gehörte zu den Dingen, die mir bei ihm Sicherheit gaben. Es war nicht nur diese eine Situation. Gefühlt gab es tausende Momente, in denen er Grenzen wahrnahm und sie stehen ließ.

Am selben Abend sang ich „Yesterday“ von den Beatles mit deutschem Text: „Einsamkeit, macht das Leben nicht mehr lebenswert“. Sit sagte danach nur: „Repeat.“ Ich wiederholte das Lied nicht. Und auch daraus wurde keine Diskussion. Wir gingen später ins Bett. Keine Forderung, kein Drängen, kein „Warum singst du nicht noch einmal?“. Es durfte einfach so sein. Wenn ich heute überlege, was von diesem Abend am stärksten geblieben ist, dann sind es nicht einzelne Worte. Es ist das Gefühl. Und wenn ich dieses Gefühl ausdrücken müsste, wären es drei Worte: „Bleib bei mir.“ Ich sagte sie damals nicht laut. Ich fühlte sie. Doch wir wussten beide, dass es nicht einfach ging. Sit hatte gesagt, dass er nach Mazedonien müsse. Gleichzeitig hatte ich ein starkes Gefühl, dass etwas an der Geschichte nicht stimmte. Tigerkatze verband ich damals mit dem Gedanken: „Er wird Umleitung fahren.“ Also beobachtete ich sein Verhalten und versuchte herauszufinden, was wirklich los war. Am nächsten Tag entschuldigte Sit sich. Er gab zu, dass er mich belogen hatte und gar nicht nach Mazedonien musste. Damit wusste ich zwar, dass mein Gefühl nicht grundlos gewesen war – die eigentliche Wahrheit kannte ich aber noch immer nicht. Erst später erfuhr ich von einer Bierwette zwischen Sit und seinem damaligen besten Freund Martin. Es ging um die Frage, ob ich ein Jahr lang treu bleiben würde.

Der Wetteinsatz: eine Kiste Bitburger.

Sit hatte darauf gesetzt, dass ich treu bleiben würde. Und ich blieb es. Nur war Sit eben nicht in Mazedonien, sondern in Deutschland. 2001 begegnete ich ihm noch einmal in Mendig. Ich stellte ihm nur eine Frage: „Warum?“ Seine Antwort war: „Weiß ich nicht.“ Und er weinte. Danach gingen wir auseinander. Tigerkatze lag zu dieser Zeit auf ihrem vertrauten Platz auf dem Armaturenbrett. Rückblickend beschreibe ich ihren Zustand in dieser Phase als „im Koma“. Und genau dort endet dieser Teil ihrer Geschichte vorerst. Tigerkatze war nie einfach nur eine kleine Figur auf einem Armaturenbrett. Sie wurde Zeugin von Fahrten, Gesprächen, Nähe, Unsicherheit, Vertrauen, Abschieden und unausgesprochenen Gefühlen. Vor allem aber steht sie für etwas, das geblieben ist: Sicherheit. Wärme. Geborgenheit. Erinnerung. Und für eine Verbindung, die für mich niemals einfach verschwunden ist. Tigerkatze wird uns auf ewig verbinden. ❤️🐯