Rucksack der Gefühle – Steg 6 Koblenz
Der Rucksack der Gefühle ist ein inneres Bild für all das, was ich auf meinem Lebensweg mit mir trage. Von außen ist dieser Rucksack unsichtbar, doch sein Gewicht kann ich deutlich spüren. In ihm befinden sich schöne Erinnerungen, Liebe, Hoffnung, Freude und Vertrauen. Gleichzeitig liegen darin auch Enttäuschungen, Ängste, Trauer, Sehnsucht und offene Fragen. Manche Gefühle habe ich bewusst eingepackt, andere sind unbemerkt hineingerutscht und begleiten mich schon sehr lange. Die Aufgabe „Ich packe in meinen Rucksack folgende Gefühle …“ lädt mich dazu ein, genauer hinzusehen. Welche Gefühle gehören wirklich zu mir? Welche habe ich von anderen übernommen? Was gibt mir Kraft und was macht meinen Weg unnötig schwer? Dabei geht es nicht darum, unangenehme Gefühle einfach wegzuwerfen. Jedes Gefühl trägt eine Botschaft in sich. Angst kann mich warnen, Trauer zeigt mir, dass mir etwas wichtig war, und Sehnsucht erzählt von einem Wunsch, der noch in meinem Herzen lebt.
Auch auf meinem Dualseelenweg begleitet mich dieser Rucksack. Jede Begegnung, jede Hoffnung und jede Enttäuschung hinterlässt darin eine Spur. Manchmal wird er so schwer, dass ich eine Pause brauche. Dann darf ich ihn abstellen, öffnen und seinen Inhalt betrachten. Ich muss nicht alles gleichzeitig tragen. Einige Gefühle brauchen lediglich Anerkennung. Andere dürfen sich verändern oder an einem sicheren Ort zurückbleiben. Ein kleiner Teil meines Rucksacks gleicht einem persönlichen Welterbe. So wie die UNESCO besondere Orte und kulturelle Zeugnisse bewahrt, gibt es auch in meiner Seele Erinnerungen, die geschützt werden sollen. Sie sind wertvoll, weil sie zu meiner Geschichte gehören. Doch dieser Gedanke nimmt nur etwa fünf Prozent des Rucksacks ein. Bewahren bedeutet nicht, für immer in der Vergangenheit zu leben. Es bedeutet, das Wertvolle zu achten, ohne den freien Platz für neue Erfahrungen zu verlieren.
Beim Packen entscheide ich deshalb bewusster: Mut darf mit. Hoffnung bekommt einen sicheren Platz. Vertrauen lege ich griffbereit nach oben. Liebe darf bleiben, aber sie soll mich wärmen und nicht erdrücken. Schmerz nehme ich nur so lange mit, wie ich ihn zum Verstehen brauche. Fremde Erwartungen und Schuld, die nicht zu mir gehören, dürfen draußen bleiben. Mein Rucksack der Gefühle ist kein Zeichen von Schwäche. Er erzählt davon, was ich erlebt, überstanden, geliebt und gelernt habe. Ich darf ihn jederzeit neu ordnen. Denn mein Weg verlangt nicht, dass ich ohne Gepäck weitergehe. Er lädt mich dazu ein, bewusst auszuwählen, was mich auf meinem nächsten Abschnitt begleiten soll.






