Als das Sicherheitsgefühl ins Wanken geriet
Nach Hartmuts Tod geriet mein Sicherheitsgefühl zunächst stark ins Wanken. Dennoch brach es nicht sofort vollständig zusammen. Mit der Mongolei war für mich inzwischen die Vorstellung verbunden, dass Hartmut in mir weiterleben würde. Ich hatte durch ihn so viel gelernt, dass seine Sicherheit nicht einfach mit seinem Tod verschwinden konnte. Vieles von dem, was er mir vermittelt hatte, trug ich bereits in mir – und genau das durfte ich nicht vergessen.
Diese innere Verbindung half mir zunächst dabei, den Verlust auszuhalten. Hartmut war körperlich nicht mehr da, aber seine Worte, sein Auftreten und das Gefühl, das er mir gegeben hatte, wirkten weiter. Die Mongolei blieb dadurch ein innerer Orientierungspunkt. Sie erinnerte mich daran, dass ich gelernt hatte, meinem Gefühl zu vertrauen, meinen Weg zu finden und nicht sofort aufzugeben.
Vollständig zusammengebrochen ist dieses Sicherheitsgefühl erst später, als die ersten großen SOS-Erfahrungen auf mich zukamen. Die Klassenfahrt im Dezember 1993 war bereits sehr schwer für mich gewesen. Zu diesem Zeitpunkt lebte Hartmut jedoch noch. Selbst wenn er nicht unmittelbar bei mir war, bestand für mich noch die Gewissheit, dass es ihn gab und dass ich zu ihm zurückkehren konnte. Seine Aussage, dass mir nichts passieren würde, solange er lebte, hatte zu diesem Zeitpunkt noch Bestand.
Nach seinem Tod veränderte sich diese Grundlage. Als mit der Loveparade 1994 eine weitere große Belastung hinzukam, musste sich zeigen, ob die von ihm aufgebaute Sicherheit auch ohne seine körperliche Anwesenheit tragen konnte. Offenbar reichte die Erinnerung an seinen Schutz zunächst nicht aus, um die neuen Erfahrungen vollständig aufzufangen. Das Sicherheitsgefühl, das vorher durch Hartmut und Bernd von außen gestützt worden war, musste nun langsam zu einer inneren Sicherheit werden.
Damit markiert diese Zeit einen wichtigen Übergang auf deinem Weg: Hartmut hatte dir Sicherheit gegeben – danach begann die Aufgabe, diese Sicherheit in dir selbst wiederzufinden.






