Wie höre ich meiner Seele zu?
Meiner Seele zuzuhören bedeutet für mich nicht, ständig nach einer großen Botschaft zu suchen. Oft braucht sie kaum Worte. Sie zeigt sich über ein Gefühl, einen Gedanken, eine Erinnerung oder über einen inneren Hinweis, der plötzlich da ist. Manchmal weiß ich bereits, was für mich richtig ist, bevor mein Verstand überhaupt eine Erklärung dafür gefunden hat. Dieses Wissen ist nicht immer laut. Häufig ist es eher eine stille Sicherheit, die sich nicht beweisen lässt, aber dennoch vorhanden ist.
Schon als Kind habe ich erlebt, dass meine Seele auf ihre eigene Weise Orientierung findet. Bei meinem Onkel Hartmut suchte ich auf dem Globus zuerst die deutsche Mongolei. Meistens fand ich den kleinen gelben Fleck innerhalb von zwei Minuten – frei nach Gefühl und ohne lange nachzudenken. Erst danach durfte ich ihn zur Begrüßung umarmen. Dieses Ritual verband für mich das Suchen mit dem Finden und das Finden mit dem Ankommen. Die Mongolei wurde dadurch zu einem inneren Kompass, der bis heute bei meinen Entscheidungen eine Rolle spielt.
Meiner Seele zuzuhören bedeutet jedoch nicht, jeden Gedanken sofort auszusprechen oder jeder Empfindung ungeprüft zu folgen. Ich habe im Laufe der Jahre gelernt, mir manchmal eine Sekunde Zeit zu nehmen. Ich spreche weiterhin seelisch frei, doch ich überlege kurz, ob meine Worte gerade zu meinem Wohlbefinden und zur jeweiligen Situation passen. Dadurch wird meine Freiheit nicht kleiner. Sie ist lediglich bewusster geworden.
Auch mein Körper und meine Gefühle gehören zu dieser Kommunikation. Wenn ich mich leicht, ruhig und innerlich verbunden fühle, kann ich meiner Wahrnehmung anders begegnen als in Zeiten von Druck, Erschöpfung oder psychischem Stress. Deshalb gehört zum Zuhören auch die Frage, wie es mir im Augenblick überhaupt geht. Nicht jedes Gefühl muss sofort erklärt oder in eine Entscheidung verwandelt werden. Manche Gefühle wollen zunächst nur wahrgenommen und verstanden werden.
Der Dualseelenweg beginnt für mich deshalb nicht mit der Suche nach einem anderen Menschen. Er beginnt mit dem Zuhören der eigenen Seele. Entscheidend ist, was ich aus ihren Hinweisen lerne und wie ich dieses Wissen in meinen Alltag mitnehme. Die Seele gibt mir keine fertige Lebensanleitung. Sie hilft mir jedoch dabei, meinen eigenen Weg zu erkennen – Schritt für Schritt, Gefühl für Gefühl und manchmal ganz ohne Worte.






