Die deutsche Mongolei – mein innerer Kompass
Meine Mongolei – ein innerer Ort des Ankommens
Wenn ich von „meiner Mongolei“ spreche, meine ich damit keinen einzigen festen Ort, der für alle Menschen dieselbe Bedeutung besitzt. In meiner Kindheit war es zunächst die deutsche Mongolei, die für mich wichtig wurde. Bei meinem Onkel stand ein Globus, und bevor ich ihn zur Begrüßung in den Arm nehmen durfte, suchte ich darauf immer zuerst diesen kleinen gelben Fleck. Erst wenn ich ihn gefunden hatte, durfte ich zu ihm gehen und ihn umarmen. Für mich war das viel mehr als ein Spiel. Es war ein festes Ritual, durch das ich wusste: Jetzt bin ich wirklich angekommen.
Damals war dieser kleine gelbe Fleck meine Mongolei. Ich brauchte keine lange Erklärung dafür. Das Finden löste in mir ein Gefühl von Sicherheit, Nähe und Vertrautheit aus. Es war, als würde meine Seele den richtigen Punkt erkennen, noch bevor mein Verstand verstand, warum dieser Ort so wichtig für mich war. Vielleicht ist genau deshalb die Mongolei später zu einer inneren Orientierung für mich geworden. Sie hilft meinem Gefühl dabei, Entscheidungen zu treffen, und braucht dafür kaum Worte. Die Verbindung entsteht direkt über die Seele.
Heute weiß ich, dass die Mongolei für mich nicht ausschließlich an diesen einen Ort auf dem Globus gebunden ist. Im Laufe meines Lebens sind weitere Orte hinzugekommen, die auf ihre eigene Weise mit dieser Energie oder diesem Gefühl verbunden sind. Dazu gehören beispielsweise Reykjavik, die philippinischen Inseln und noch viele andere Orte. Sie müssen geografisch nicht unmittelbar miteinander verbunden sein. Entscheidend ist vielmehr, welches Gefühl, welche Erinnerung oder welche seelische Bedeutung ich mit ihnen verbinde. Die Mongolei ist dadurch größer geworden. Aus einem kleinen gelben Fleck meiner Kindheit entwickelte sich ein weit verzweigtes inneres Orientierungssystem.
Auch das seelisch freie Sprechen habe ich über meinen Onkel kennengelernt. Bei ihm konnte ich vieles aussprechen, was in mir vorhanden war. Das war für meine Eltern und meine Schwester vermutlich nicht immer leicht. Meine Schwester bekam von meinem Onkel deutlich weniger Aufmerksamkeit als ich. Weshalb das so war, weiß ich bis heute nicht sicher. Vielleicht spielte seine besondere Verbindung zu meiner Mutter eine Rolle, denn die beiden waren zwei Jahre allein, bevor meine Eltern heirateten. Sicher beurteilen kann ich es jedoch nicht.
Meine Mongolei ist deshalb kein einzelner Punkt auf einer Landkarte. Sie steht für Ankommen, Vertrauen, Nähe und das stille Wissen meiner Seele, wo für mich etwas richtig und verbunden ist.








